Evangelische Kirchgemeinde Rehna - Kirch Grambow - Meetzen

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Pilzjahresbericht von "Pilzdiakon" Matthias Krause

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Pilzjahresbericht 2017


Pilze im Jahre 2017 im Leben von Pilzdiakon Matthias Krause

 

Und wieder war ich oftmals ein Glückspilz!

 

 

Und bei so manchem Jagderfolg dachte ich: Schwein gehabt!

 

 

 

 

Natürlich ist es auch für mich besonders schön, wenn es gelingt, andere Menschen mit dem Pilzfieber anzustecken; schließlich gibt es viele weit gefährlichere Fieberarten.

 

 

Hier zu sehen ein großer Teil der Pilzdiakon-Familie. Und unten Mattis Vorstellung vom Paradies.


Zwei solch gearteter familiärer Fotos habe ich noch, aber die stelle ich mal weiter an das Ende. So geht’s nun endlich fachlich und alphabetisch los.


Agaricus augustus - Erhabener Champignon


Zugegeben - auch dies ist kein reines Pilzfoto.

Ich entdeckte dieses Exemplar auf einem Friedhof unserer Gegend aus einer geschätzten Entfernung von 150 Metern (ohne Brille: es war nur ein weißer Punkt, aber die Ahnung sollte sich als wahr erweisen). Dieser madenfreie,

nach Anis und Marzipan duftende Pilz gehört für mich zur den Kronen

der Schöpfung. Mit fast 24 cm Durchmesser - also genau so groß wie ein

Ziegelstein lang ist - ergibt ein einzelner solcher Pilz schon eine schöne Mahlzeit für 1 - 8 Personen (je nach Hunger).



Bald da drauf fand ich an der selben Stelle sogar ein noch größeres Exemplar:satte 25 cm im Durchmesser! Das ist nicht nur ein viertel Meter, sondernumgerechnet auch immerhin 0,00025 Kilometer! Da hat eine Schnecke ordent-lich zu laufen, um solch einen Pilz abzuschleckern! Nun gut, dieser Egerling war dann doch zu alt und nicht mehr essbar. Trotzdem erwähnenswert!


Agaricus xanthoderma - Giftchampignon


Die Giftegerlinge kenne ich recht gut als ziemlich deutlich weiße Pilze.

Da war ich im Lankower Wald doch recht irritiert, als ich vermeindlich

essbare braune Wald-Champignons fand, die die deutlichen Anzeichen

eines giftigen Karbolegerlings zeigten: den typischen Geruch und die eben-

falls typische Gelbfärbung im Anschnitt.

Ich war völlig durcheinander und begab mich auf den Weg zur Psychiatrie. Aber die hatten wegen Überfüllung geschlossen. Nach etlichen quälenden Wochen

erlöste mich Ende November ein zweiter Fund: genau die gleichen Pilze, dieses Mal ganz wo anders. Nun denke ich mir, dass es auch Pilze gibt, die in keinem

üblichen Pilzführer abgebildet sind, die einfach nicht normal sind - ich jedoch bin normal (einigermaßen)!


Amanita muscaria - Fliegenpilz



Auf dem Rehner Friedhof fand ich ganz viele.

Und dieser sah irgendwie aus wie eine Sonne bzw. wie eine Sonnenblume.

Ich habe einfach mal ein paar Farb-Bearbeitungen gemacht.


 


Die Fliegenpilze waren dann auch für meine Enkelchen eine große Freude. Auch mit nur zwei Jahren war ihnen durchaus deutlich, dass dieser für sie am leichtesten zu erkennende Pilze zwar hübsch, aber giftig ist. Er kommt tatsächlich als Typus-Gestalt eines Pilzes oder als Glücks-Symbol in fast jedem Kinderbuch vor.



Amanita phalloides - Grüner Knollenblätterpilz (Grüner Knolli)


Eigentlich hatte ich diesen tödlichsten der bei uns vorkommenden Pilze deshalb fotografiert, weil er so schön typisch grün aussah. Nun - ins noch grünere Moos gestellt - ist das nicht mehr ganz so deutlich. Egal: da habt ihr den Schuft!


Armillaria ostoyae - Dunkler Hallimasch


Immer wieder sorgt er für volle Körbe. Hunderte solcher Büschel fanden wir.

Auch in diesen Körben schlummern viele, viele schöne Hallimasche,

daneben aber auch Reizker, Erdritterlinge, Schwefelköpfe, Kuhmäuler…



Clitocybe geotropa - Mönchskopf


Und wieder mal Familienbilder. Nichts für das Jahrbuch des Pilzvereins, aber ich werde mir gerade diese Bilder noch freudig auf dem Sterbebett anschauen!



Gerade solche Waldzwerge wie Maja können schon lernen, dass es im Wald nicht nur Hexen gibt (wenn überhaupt), sondern auch Hexenringe!


Daedalea quercina - Eichenwirrling (hier wohl eher var. Fisch-Wirrling)


- fotografiert im Urlaub auf der Insel Usedom




Rundum war der Fisch mit diesen Wirrlingen besetzt! Tolle Symbiose!


Disciotes venosa - Chlorbecherling / Flatschmorchel


Eigentlich wollte ich nur noch selten Pilze zeigen, die schon in meine vorigen Pilzjahresberichten vorgestellt wurden. Aber gerade in dieser Zeit (ich verfasse diesen Zeilen am 2. März anno 2018) - in dieser unpilzigsten Periode in unserem mitteleuropäischen Jammertal - da ist doch solch eine Entdeckung (25.3.2017) wie ein Neuerwachen nach langen Winternächten, wie der Lenz persönlich …

Natürlich habe ich ihn und seine Brüder nicht ausgelöscht, sondern bewahrt, dass sie den Frühling herbeizaubern.


Geastrum fibriatum - Bewimperter Erdstern


Dies ist unser häufigster Erdstern. Ich habe ihn im vergangenen Jahr schon vorgestellt. Hier ist er jedoch in der Natur zu sehen, in Fichtennadelstreu.


Gymnopilus sapineus - Tannenflämmling


Immer wieder rennt man hin zu Grüppchen dieser farbfreudigen Pilzchen - in der Hoffnung, Schwefelköpfe oder Stockschwämmchen zu finden. Aber sofern man die gleichfarbene Unterseite gesehen hat, ist die Hoffnung dahin. Dennoch: eine wirkliche Zierde des Waldes!


Hypholoma capnoides - Graublättriger Schwefelkopf


Dieser total leckere Speisepilz des Spätherbstes kommt nach verschiedenen Vorstellungen und älteren Jahresberichten hier nur deshalb vor, weil er auf diesem Foto schon von oben zu erkennen ist. Normalerweise gleicht er seinem giftigem Doppelgänger - dem Grünen Schwefelkopf (dem wohl häufigsten Pilz in unseren Breiten) wie ein Ei dem anderen. Nur selten zeichnet sich die graue Färbung der Lamellen schon oben auf der Huthaut ab.


Kefir, Wasserkefir - (lateinisch habe ich nichts auftreiben können)


Bislang kannte ich nur den Milch-Kefir, der als blumenkohl-ähnliches Gebilde - walnuss- bis faustgroß - aus Milch ein gäriges und haltbares Milchprodukt zauberte, lebensverlängernd galt, geheimnisumwoben war …

Diese Gebilde wuchsen. Man konnte sie teilen und weiter verschenken, bei Nichtgebrauch einfrieren … Es gab dubiose Erklärungen, woher der Milch-Kefir stammt, was er als Wundermedizin alles für Krankheiten heilen würde - alles auf kleinen Zettelchen handschriftlich oder auf DDR-Schreibmaschine getippt - nichts Genaues wusste man.

Das ist bis heute weitgehend so. Ich jedenfalls bin aus den Artikeln des Inter-nets nicht schlauer geworden.

Danke, liebe Evi, dass du mir einen Wasser-Kefir geschenkt hast! Der ist sehr fotogen - ein Granulat wie zerbrochnes Glas oder ungeschliffne Diamanten.

In Wasser gelegt - zusammen mit etwas Zitrone usw. - ergibt er eine schön erfrischende Limonade.



Kefir scheint weder ein Pilz noch eine Alge zu sein, sondern mein Mischlebewesen. Ich habe die Autorin der deutschlandweit besten Pilzzeitschrift gefragt. Frau K. Montag versprach mir, dass dieses Thema in Kürze publiziert wird. Ich werde es lesen und Sie und Euch informieren!


Lactarius deliciosus - Edelreizker


Für mich ist dieser Edelreizker hier ein Foto wert. Schließlich wächst er ausschließlich bei Kiefern. Und die haben wir hier in Rehna nicht so. Aber ein ganz paar Kiefern gibt es doch hier. Und als ich da mal ganz genau hinschaute: siehe da!


Lactarius porninsis - Lärchen-Milchling


Diese Milchlinge entdeckte ich - der Fischer würde sagen „als Beifang“beim Ernten von Lärchenröhrlingen. Leider bitter. Aber der lateinische Name klingt irgendwie interessant, nach Liebe oder so (oder noch doller)!


Die weißen Tröpfchen zeigen deutlich, dass es ein Milchling ist.

 

 

 

Lactarius quietus - Eichenmilchling


Die Entdeckung dieser Art war für mich aus Sicht des Speisepilzsammlers die größte Freude des Jahres: schmackhaft, sehr ergiebig, festfleischig, madenfrei!

Die Pilzliteratur ist allerdings gespalten. Zuweilen wird ihm ein etwas bitterer Beigeschmack zugesprochen. Davon habe ich allerdings nichts gemerkt. Meine Frau Angelika schon, sie hat die Pilze vor dem Braten gewässert und gut wars.



 

gut zu erkennen - die weiße, milde Milch

 

 

Es gibt neben den Reizkern kaum essbare Milchlinge, es sei denn, man wässert sie mehrfach und legt sie dann sauer ein.


Da freute sich auch Pilzfreundin Evi sehr!


Lyophyllum decastes - Büschliger Rasling


Immer wieder eine Freude - auf Rasen, im Wald … und nur wenige Menschen kennen ihn.


Melanogaster ambiguus - Weißgekammerte Schleimtrüffel


Foto: Torsten Richter   (auch die nächsten

Gleich zu Beginn ehrlich: die Trüffeln von zwei Fundorten habe ich nicht selbstgefunden - liebe Menschen, die um meine Pilzleidenschaft wussten, stellten mir die Funde vor. Dann habe ich sie Torsten Richter gezeigt, und der wusste sofort, was das ist, hat sie fotografiert - und nun sind die tollen Bilder auch hier zu sehen. Dies wiederum ist aber mein Verdienst!

Bei uns im Norden gibt es so einige Trüffel-Arten - essbare sind nicht darunter. Na und, dann essen wir eben richtige Pilze!

 


 

 

 


Nectria purpurea - Zinnoberroter Pustelpilz

 


Diesen Pilz kennt wohl wirklich jeder: kleine rote Gnubbels an nicht mehr so ganz lebendigem Holz. Auf dem unterenBild rechts zeigt er mir, dass meine Bretter des Autoanhängers nicht ewig halten werden. Ich sollte reagieren!

Gerade dieser kleine Pustler kommt dann vor, wenn ansonsten gar keine Pilze zu sehen sind. Äußerlich ist er zunächst nur ein Farbtupfer in grauer winterlicher Landschaft, jedoch- wer ein Mikroskop besitzt: unbedingt die tollen Sporen sehen!

 

Paxillus rubicundulus - Erlenkrempling


Auch als Patient der Uni-Klinik Lübeck war ich nicht untätig und fand u.a. einige Erlenkremplinge (Speisewert unbekannt).


 

 

Russula queletii - Stachelbeertäubling


Erst mal die schönen Bilder, dann sag ich was dazu.

 

Russula sardonia - Zitronenblättriger Täubling


 


 


Ich kann nur sagen, dass diese wunderschönen Pilze miteinander verwechselt werden können, auch mit weitern ähnlichen Täublingen.

Mein Hirn hat sich bis heute mit der genauen Zuordnung gemartert - jedoch für die Nase war es eine Freude: da war in den Pilzbüchern die Rede von obstigem Geruch, vom Geruch nach Stachelbeeren, vom Geruch nach frisch geriebenen Äpfeln - nach all der Lektüre war auch ich etwas durchgemust. Bei einem der Pilze habe ich deutlich „frisches Apfelmus“ gerochen.


Suillus luteus - Butterpilz


- gefunden unter einsamer Kiefer, leider nicht mehr als Speisepilz eingeordnet,

soll uns egal sein, weil es bei uns diese Kiefern und Luteusse kaum gibt.


Telephora caryophyllea - Nelkenförmiger Warzenpilz

gefunden im Lankower Wald


Trametes versicolor - Schmetterlingstramete

Mit so etwas kenne mich noch gar nicht so aus. Aber schön … !!!

Schaut man sich die Vielfalt dieser Art in Büchern oder im Internet an -

Wahnsinn! -- oder doch verschiedene Arten? Trotzdem !!!


Tylopilus felleus - Gallenröhrling


Dieser Pilz wird immer mal wieder mit dem Steinpilz verwechselt. Das ist nicht gefährlich, aber unschön: ein falscher Pilz verdirbt das ganze schöne Gericht!

Ausgewachsene Pilze des Gallenröhrlings - er wird zurecht auch einfach Bitter-

Pilz genannt - erkennt man an dem typisch rosafarbenem Schwamm. Kleine Exemplare (s. linkes Foto) sind unten genauso weiß wie frische Steinpilze.

Aber auch bei großen und reifen Pilzen sind Farb-Übergänge so möglich, dass man Gallenröhrling und Steinpilz oder Marone schnell miteinander verwechseln kann. Ich nicht, denn ich koste mutig immer mal schon im Wald. Dann ist alles klar! Klaro?


Wäschepilz mit Maulwurfs-Hexenring (Neuzüchtung im eigenen Garten)



Werbetafel - Reclam mensam (oder so ähnlich)


Die Tafeln konnte ich noch mit aufbauen, abends war ich schon im Krankenhaus, da einer meiner Finger sich zu sehr einer Kettensäge genähert hat.

Damit fiel für mich auch die Pilzausstellung aus. Zum Trost konnte ich den

restlichen Herbst als Speisepilzsammler sehr genießen, wenngleich ich wegen der Schiene an der rechten Hand zunächst erst einmal sammeln ließ: Massen an Hallimasch, Rauchgrauen Schwefelköpfen, Fichtenreizkern, Erdritterlingen, Eichenmilchlingen und Herbsttrompeten.


drei meiner Helfer, die es nicht weit bis zum Waldboden haben: v.l.n.r. Sophia, Maja und Hannah (4 und 2 x 2,5 Jahre jung).


Xerocomus rubellus - Blutroter (Filz-) Röhrling

Die beiden folgenden Arten habe ich bei der Konfirmandenfahrt im Sommer in Bremerhaven gefunden.

 


Xerocomus subtomentosus, var. ferrugineus - Brauner Filzröhrling


Und hier sind beide Arten friedlich miteinander vereint.



Pilze vermehren sich u. a. auch sexuell, wie man auf dem folgenden Foto sieht.


Und zum Schluss noch einmal eine Vorschau auf das nächste Leben.

Und ein großes Dankeschön an Gott, den Schöpfer!



Ein frohes Pilzjahr wünscht Pilzdiakon Matthias Krause. Wer sich diesen oder einen meiner älteren Pilzjahresberichte ausborgen möchte (bislang habe ich 236 Arten vorgestellt), darf das gerne tun.

 

 

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